Future – I NEVER LIKED YOU

Future droppte mit I NEVER LIKED YOU am 29.04. sein neuntes Studioalbum. Da ich ein großer Future-Fan bin, habe ich mich sehr darauf gefreut. Future ist für mich einer der konstantesten US-Rapper, der noch nie wirklich enttäuscht hat und ständig gute Musik liefert. Sein letztes Album High Off Life von 2020 war mit Drake’s Dark Lane Demo Tapes mein Lockdowntune. Drei Tage nach Release kam direkt die Deluxe-Version des Albums mit fünf weiteren Songs. Ich habe die Songs einfach noch mit in die Wertung reingenommen, warum nicht? Ich bin gespannt, wann die Deluxe-Kultur in Deutschland ankommt.
Wenn man sich auf ein Album freut, sind die Erwartungen natürlich meist hoch. Also schauen wir einfach mal, was Future hier gedroppt hat!

Das Album beginnt mit 712PM, einer sehr guten Einleitung für das Projekt. Der Song legt direkt die etwas düstere Stimmung des ganzen Albums fest. Im Gegensatz zu früheren Releases hat sich Futures Musik schon seit ein paar Jahren in diese Richtung verändert, was mir gefällt. Thematisch bleibt Future vorerst beim Flexen und Frauen disrespecten, das ändert sich später aber noch.
I’M DAT N****
führt den dunklen Vibe vor allem mit der Beatwahl weiter. Der Beat erinnert mich ziemlich an YNW Melly’s Freddy Krueger, anyone else? Future hat sich für sein Album ein paar der besten Produzenten, die das Amirapgame zu bieten hat, rangeholt. ATL Jacob’s Producertag hört man am meisten, aber auch Wheezy und Southside sind unter anderem vertreten. Fast jeder Song hat einen geilen Beat. Das liegt oft an sehr gut umgesetzten Samples, wie beispielsweise auf VOODOO oder BACK TO BASICS. Ich liebe solche Samples einfach, vor allem in solchen ruhigeren Songs.

KEEP IT BURNIN feat. Kanye West ist definitiv einer der besten Songs auf dem ganzen Projekt. Kanye droppt einen unfassbar leidenschaftlich gerappten Part, eine simple, aber gute Hook und auch Future überzeugt. FOR A NUT feat. Gunna & Young Thug ist ein klassischer, fast-paced Trapbanger ohne viel Inhalt, der aber im Ohr bleibt. Thugger ist mal wieder auf dem Autismustrip mit Lines wie:
I just put some diamonds in her butt (Butt)
And I seen it shinin‘ when she nut (Nut)“

Aber auch Future ist auf dem Album immer mal für eine witzige Line zu haben. Diese Line von I’M DAT N**** ist mir am meisten im Kopf geblieben:
„Fucked her in the ass, made her pee pee“

PUFFIN ON ZOOTIEZ ist quasi das genaue Gegenteil von FOR A NUT: ein gelassener, chilliger Song, auf dem Future einfach auf dem Beat flowt. Einfach genial, wie Future so viele verschiedene Flows und Stile auf einem Album umsetzen kann!

Ab Song sieben, WAIT FOR U feat. Drake & Tems, nimmt das Album einen kleinen Exkurs in die Richtung der Lovesongs, was der Titel ja schon impliziert. Tems‘ Backgroundvocals begleiten den langsamen, etwas deeperen Song unfassbar gut. Drake’s Part ist voller Instagramcaptions, wie man es von ihm kennt. RnB-Drake ist der beste Drake!
Mit LOVE YOU BETTER bringt Future einen weiteren sehr melodischen Lovesong. Klar, Future ist bekannt für seine mehr oder weniger ernst gemeinte Misogynie (She belongs to the streets!), aber er zeigt, dass er seine Gefühle Frauen gegenüber auch sehr emotional rüberbringen kann. Richtig emotional wird es auf VOODOO feat. Kodak Black. Kodak Black ist für mich ein sehr inkonstanter Künstler, manchmal liefert er richtige Bangerparts/-hooks, aber manchmal sind seine Parts absoluter Trash. Glücklicherweise hat er hier eine sehr gute Hook zum Song beigetragen. Er hört sich meiner Meinung nach richtig traurig an, man hört seine Gefühle in seiner Stimme. Auch Future geht richtig ab in seinen Parts.

Natürlich ist nicht jeder Song auf dem Album ein Banger, das ist eine Seltenheit. MASSAGING ME ist mittelmäßig und hat keinen Wiedererkennungswert. CHICKENS feat. EST Gee ist teilweise zu nervig, um es bis zum Ende zu hören und vor allem EST Gee’s Part ist nichts besonderes. Und selbst ich als Drake-Stan muss sagen, dass I’M ON ONE feat. Drake auch eher enttäuschend ist. Ich finde es zwar ziemlich nice, dass Drake auf zwei sehr verschiedenen Songs vertreten ist, aber die Performance von beiden ist mittelmäßig.
Das Album würde an dieser Stelle mit zwei sehr gefühlsvollen Songs enden. Auf THE WAY THINGS GOING erinnert sich Future an frühere Zeiten und nutzt dies, um es mit seinem heutigen luxuriösen Leben zu vergleichen. BACK TO THE BASICS war zuerst das Intro des Albums und da drückt Future noch einmal gewaltig auf die Tränendrüse: „After I fuck you, let me cry on your shoulder“. Sehr emotional und relatable.

Leider folgen noch sechs Songs von der Deluxeversion. Auf dem Papier sehen die zusätzlichen Songs gar nicht so schlecht aus, Lil Baby und Lil Durk Features enttäuschen selten. Aber keiner der Songs überzeugt so richtig. Auf LIKE ME feat. 42 Dugg & Lil Baby wechseln sich die drei Künstler Line für Line ab, was ich normalerweise richtig nice finde. Nur haben die drei auf diesem Song irgendwie keine Chemie. Auch Lil Durk’s Part auf AFFILIATED trifft die Erwartungen überhaupt nicht. Der einzige Track, der da noch heraussticht ist WORST DAY. Future rappt darüber, dass der Valentinstag der schlimmste Tag ist, weil er zu viele Frauen hat, die er mit Geschenken befriedigen muss. Eine sehr witzige Idee und ein typischer Future Song.

I NEVER LIKED YOU ist ein Album, das man sehr gut im Hintergrund laufen lassen und dabei geistig abschalten kann. Das heißt aber nicht, dass es komplett inhaltslos ist. Future findet eine super Balance zwischen seinem bekannten Trapstil und Lovesongs. Das Projekt hat dadurch definitiv einen Wiedererkennungswert und ist auf keinen Fall wie jedes andere. Neben ein paar langweiligen Fillersongs wurde das Album aber meiner Meinung nach vor allem durch die Deluxeversion qualitativ verschlechtert. Das ist echt schade, aber was macht man nicht alles, um noch mehr Geld mit einem Album zu verdienen!

Ich gebe I NEVER LIKED YOU von Future 6/10 Punkten.

In Die große wehlingrap-Playlist kommen 712PMKEEP IT BURNINPUFFIN ON ZOOTIEZWAIT FOR ULOVE YOU BETTERVOODOO und BACK TO THE BASICS.

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