Kendrick Lamar – Mr. Morale & The Big Steppers

Mr. Morale & The Big Steppers ist Kendrick Lamar’s fünftes Studioalbum und wurde am 13.05. veröffentlicht. Ich glaube, ich muss zu Kendrick nicht viel sagen. Sein Legendenstatus ist offensichtlich und er wird definitiv als einer der besten Rapper in die Geschichte eingehen. Ich persönlich kann den Hype um ihn verstehen und respektiere seine Musik enorm, doch der größte Kendrick-Fan war ich noch nie. Ist halt einfach meine persönliche Präferenz. Ich kann nicht mal genau sagen, was mir bei Kendrick fehlt. Ich höre andere Artists einfach lieber!
Wie dem auch sei, ich habe mich trotzdem auf das Album gefreut, weil ich wusste, dass es eine außergewöhnliche Erfahrung und kein ordinäres Album wird. Die Erwartungen sind nach fünf Jahren ohne Musik natürlich hoch, also schauen wir rein!

Das Album startet mit United in Grief. Kendrick rekapituliert die Zeit, in der er nichts gedroppt hat und verarbeitet Trauer auf einem schnellen Introsong. Kein schlechtes Intro, aber auch nichts extrem Besonderes. Kendrick’s Flow in den Parts ist schon sehr beeindruckend, aber auf lange Zeit zu eintönig.
N95 ist der erste Banger des Albums. Der Song hat auch ein Musikvideo und ist ziemlich viral gegangen, zurecht meiner Meinung nach! Kendrick liefert in einem einzigen Song gefühlt zehn verschiedene Flows und meistert alle. Der Beat passt perfekt und auch die Hook ist nice. Warum man in 2022 einen Song über Corona schreibt, verstehe ich aber nicht ganz.

Worldwide Steppers ist im Vergleich zu den vorherigen Songs musikalisch ziemlich verschieden. Kendrick rappt drei Minuten lang extrem monoton über einen genauso monotonen Beat. Natürlich liegt bei diesem Song der Fokus eher auf dem Text, den ich teilweise auch echt witzig finde. Jedoch ist der Track echt anstrengend zu hören, was vor allem auch am Beat liegt. Flowvariationen sind mir persönlich sehr wichtig.
Das gleiche Problem findet sich auch auf anderen Songs: der musikalische Stil auf Rich Spirit mit leichten RnB-Einflüssen ist grundsätzlich ganz cool, doch Kendrick’s Stimmlage lässt ihn sehr gelangweilt und unmotiviert klingen. Die Hook ist aber ziemlich einprägsam. Und auch der wahrscheinlich sozialkritischste Song des Album Auntie Diaries ist wirklich zum Einschlafen. Das finde ich echt schade, weil die Thematik um Transsexualität und Homophobie von Kendrick echt gut behandelt wird. Das Thema hätte man mit etwas mehr Leidenschaft im Song rüberbringen können.

Das Album hat aber noch eine andere, viel musikalischere Seite. Die Hard feat. Blxst & Amanda Reifer ist ein sehr fröhlicher Song mit Pop-Einflüssen. Die Hook hat definitiv einen Ohrwurmfaktor. Das gleiche findet sich auch auf Purple Hearts feat. Summer Walker & Ghostface Killah wieder. Kendrick singt mehr als zu rappen und das langsame Tempo des Songs finde ich hier echt gut. Auf Count Me Out trägt die Produktion und der Beat am meisten dazu bei, dass der Song einen Wiedererkennungswert hat. Einer der besten Songs vom Album.
Natürlich darf We Cry Together nicht unerwähnt bleiben. Der Song besteht ausschließlich aus einem Streitgespräch zwischen Kendrick und seiner Partnerin, der von einem simplen, aber guten Beat begleitet wird. Das Konzept an sich klingt schon sehr witzig, aber die Umsetzung ist umso besser! Der Track ist voller witziger Momente und Lines. Ich finde es echt erstaunlich, wie viel man aus diesen sechs Minuten „Streit“ mitnehmen kann. Erneut eine außergewöhnliche Erfahrung.

Ich bin ja kein Kodak Black Hater, im Gegenteil, ich finde seine Musik zum Teil echt gut. Aber ich habe keine Ahnung, warum gerade er so präsent auf dem Album ist. Ein mal spricht er das Intro eines Songs, ein mal hat er eine ganze Interlude und ein mal sogar einen ganzen Featurepart. Silent Hill ist aber ein sehr guter Song, auf dem vor allem Kendrick voll und ganz überzeugt. Kodak’s Part ist aber auch ziemlich nice.
An Features mangelt es grundsätzlich auf dem Album nicht. Kendrick hat sich meist andere Künstler für die Hook geholt und im Großen und Ganzen kann man da nicht meckern, auch wenn ich Kendrick’s Hooks eigentlich auch immer feiere. Baby Keem darf natürlich auch nicht fehlen, auf Savior – Interlude liefert er eine sehr starke Performance und seine Hook auf Savior ist das beste am eher mittelmäßigen Song.

Am Ende des Albums sieht man noch einmal an drei Songs die verschiedenen Facetten der Tracklist. Während Mr. Morale feat. Tanna Leone ein echt geiler Track mit krassen Flows ist, ist Mother I Sober feat. Beth Gibbons wahrscheinlich der größte Einschlafsong des Albums. Der Beat ist echt schön, aber Kendrick’s Stimmlage ist wieder so unmotiviert und langweilig, dass es den Song ruiniert. Versteht mich nicht falsch, ich habe weder etwas gegen langsame Songs, noch gegen Realtalks. Kendrick’s Traumaverarbeitung ist unfassbar interessant und respektabel, aber die musikalische Umsetzung gefällt mir einfach nicht. Auch das Outro Mirror trägt nicht viel zur Tracklist bei und ist ein Song, der leicht zu vergessen ist.

Mr. Morale & The Big Steppers ist zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Review schon über zwei Wochen draußen und ich persönlich habe fast ausschließlich gute Resonanz mitbekommen. Für Die Hard Kendrick Fans ist es wahrscheinlich ein gutes Album, aber ich finde es extrem mittelmäßig. Klar, inhaltlich ist es sicher für Kendrick eins der wichtigsten Projekte, die er je released hat. Er verarbeitet auf vielen Songs Traumata aus seiner Kindheit und geht auf gesellschaftliche Probleme ein. Doch im Vergleich zu anderen „deeperen“ Songs von anderen Künstlern habe ich kein Interesse daran, mir diese Songs mehrmals zu geben. Trotzdem gibt es einige Banger in der Tracklist.

Ich gebe Mr. Morale & The Big Steppers von Kendrick Lamar 5,5/10 Punkten.

In Die große wehlingrap-Playlist kommen N95Die Hard, Purple HeartsCount Me OutSilent HillSavior – Interlude und Mr. Morale.

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