OG Keemo – Mann Beisst Hund

Nach mehrmaliger Verschiebung droppt OG Keemo mit Mann Beisst Hund sein zweites Studioalbum. Keemo ist nun seit einigen Jahren einer der gehypetesten Rapper Deutschlands, nachdem er seine Rap-Skills mit Songs wie Vorwort oder Neptun unter Beweis gestellt hat. Ausgiebig habe ich mich mit seiner Musik jedoch noch nie beschäftigt, das steht definitiv auch auf meiner To-Do-Liste. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Review ist das Album nun fast eine Woche draußen und ich konnte auf diversen Social-Media-Plattformen erlesen, dass es bei den Fans sehr gut angekommen ist. Einige sprachen schon vom Album of the Year, also mal gucken, was Mann Beisst Hund zu bieten hat!

Das Intro des Albums heißt Anfang und setzt direkt das Setting für das Projekt. Keemo rappt über seine erste Begegnung mit Malik und Yasha, zwei seiner neuen Freunde, die auf den beiden Skits Hund Skit und Mann Skit auch zu hören sind. Schon im Intro merkt man, dass OG Keemo’s Stil perfekt für solche Storytelling-Songs ist. Er hat es einfach drauf, Situationen so zu beschreiben, dass man sich perfekt in sie hineinversetzen kann. Es scheint so, als ob das Album versucht, durch die Tracks eine Geschichte zu erzählen. Ob das so gelingt, sehen wir später.

Die folgenden Tracks CivicMalik und Big Boy sind alle richtig fett und gehen nach vorn. Das liegt unter anderem natürlich an den Beats von Funkvater Frank, der auf dem ganzen Album einen fantastischen Job macht und den Vibe der Songs mitbestimmt. Aber vor allem Keemo’s aggressiver Flow gefällt mir extrem gut. Er schafft es auf Mann Beisst Hund einige Male, „In-Die-Fresse“-Songs mit lyrisch hochwertigen Texten zu verbinden. Das zeichnet OG Keemo aus und das macht ihn zu einem sehr besonderen Rapper.

Nach Suplex, einem der besten Songs der Tracklist, hat das Album meiner Meinung nach ein kleines Tief. Im Vergleich zu den restlichen Songs wirken 2009Petrichor und auch Ziller sehr viel substanzloser und langweiliger. Das ist sehr schade, weil die erste Hälfte des Albums konstant stark ist.
Doch keine Sorge, im Endspurt dreht Keemo noch einmal richtig auf. Auf Mann Beisst Hund ist sehr gut zu erkennen, dass Keemo sehr viel Wert auf Vielfältigkeit in seiner Musik legt. Er beherrscht den bereits genannten „In-Die-Fresse“-Rap sehr gut, aber bei ruhigen Songs, bei denen die Message und die Lyrics im Vordergrund stehen, ist er absolut unmatched. Nachdem wir auf den Skits sowohl Yasha, als auch Malik sprechen gehört haben, rappt Keemo in der Rolle von Yasha über dessen Suizid auf Vögel. Was für ein unglaublicher Song. Ich bin auch ganz ehrlich; ich brauchte Genius, um den gesamten Sinn und Kontext des Songs zu verstehen. Das ändert nichts daran, dass es mit Abstand der beste Track des Albums ist. Sechseinhalb Minuten Gänsehaut. Nach einem Rückblick in die Jugend schildert Keemo die Fahrstuhlfahrt Yashas zum Dach und baut dabei wiederkehrende Stilmittel, wie die Stockwerknummern oder die Messerklinge ein. Das ganze wird durch den ruhigen Geigenbeat abgerundet. Ein nahezu perfekter Song.

Doch das war noch nicht alles, was das Album zu bieten hat. Auf Töle schlüpft Keemo wiederum in die Rolle des Malik und kritisiert Karim (also Keemo selbst) dafür, dass er seiner Heimat nicht real geblieben ist und trotzdem darüber rappt. Es ist wirklich unfassbar, wie stark Keemo aus verschiedenen Sichten rappen und vor allem die Emotionen authentisch rüberbringen kann. Nachdem mit Blanko feat. Kwam.E nochmal ein Song zum Pumpen kommt, schließt das Outro Ende den Kreis der Geschichte. Keemo rechtfertigt sich für sein Verschwinden aus dem Block und stellt grundsätzlich dar, dass sein Horizont größer ist, als das tägliche Leben von Malik.
Ehrlicherweise hätte ich mir auf dem Album mehr zu der Story von Karim, Malik und Yasha gewünscht. Natürlich sollte man einige Songs, die nicht offensichtlich darauf hinweisen, als Geschichte über Malik oder Yasha interpretieren (z.B. Regen und Sandmann), aber ich hätte mir da ein wenig mehr Klarheit gewünscht.

Insgesamt kann man über Mann Beisst Hund wenig Schlechtes sagen. Es ist sehr offensichtlich, dass OG Keemo sehr viel Zeit und Mühe in das Album gesteckt hat und jeder Song durchdacht ist. Ich finde es nur schade, dass die Mitte des Albums ein ziemlicher Tiefpunkt ist, gerade weil die ersten und letzten Songs so geil sind.

Ich gebe Mann Beisst Hund von OG Keemo 7/10 Punkten.

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