Sun Diego – Yellow Bar Mitzvah

Nach langem Warten und gefühlt tausend Solotracks hat es Sun Diego am 22.04. endlich geschafft, sein Album Yellow Bar Mitzvah zu releasen. Weil eben so viele Songs in den letzten Monaten rauskamen, konnte ich mir schon ein kleines Bild von Sun Diego’s musikalischer Wandlung und seinem jetzigen Stil machen. Ich muss sagen, dass es überhaupt nicht mein Fall ist. Doch darauf kommen wir später natürlich noch einmal zurück. Natürlich bin ich dementsprechend ein bisschen mehr voreingenommen, als bei anderen Alben, aber das lässt sich ja nicht verhindern. Ich bin gespannt, was das Gesamtprojekt zu bieten hat.

Das Album beginnt mit Rostov on Don, einem zehnminütigen Intro, in dem Sun Diego einen Ausblick auf die Themen des Albums gibt: das Judentum und seine Familie, seine Saado-Clan-Assoziationen und natürlich Kritik am deutschen Rap. Definitiv einer der besten Songs des Albums, Sun Diego zeigt seine Rapkünste und verpackt auch die Storytellingparts sehr gut. Einige Lines sind meiner Meinung nach aber ziemlich peinlich und unpassend für die doch eher ernsteren Themen. Direkt im Anschluss folgt der über 20minütige Song Apocalyptic Endgame. Ich weiß nicht so richtig, was ich zu dem Song sagen soll. Einerseits liefert Sun Diego mehrere krasse Doubletimeparts und stellt erneut seine Skills zur Schau, andererseits würde ich mir niemals einen so langen Track mehr als dreimal anhören. Kann aber auch an mir liegen. Overall auch ein ziemlich starker Song.

Für alle, die nach den ersten beiden Songs immer noch nicht verstanden haben, dass Sun Diego Clan-Connections hat, hat er freundlicherweise einen ganzen Song darüber gemacht: La Familia 2. Ein sehr exotischer Beat, der mir nach längerer Zeit aber ziemlich auf den Sack geht. Grundsätzlich kann man über die Beats auf dem Album aber wenig Schlechtes sagen. Digital Drama war für den Großteil der Beats verantwortlich und leistete zum großen Teil einen soliden Job. Aber es gibt auch Ausnahmen wie Texas Tea, auf den wir später auf jeden Fall noch zurückkommen werden.

Sun Diego ist einer der vielseitigsten Rapper Deutschlands, das kann ihm keiner abstreiten. Aber nur weil man verschiedene Sachen ausprobiert, heißt das nicht, dass man alles meistert. Apocalyptic EndgameEhrenmann und Schwarz Rot Gold feat. Kollegah und Farid Bang sind ziemlich solide Raptracks (auf letzterem wird der Song aber auch von Kolle und Farid gecarried). Doch lyrisch bringt Sun Diego nicht das Level, was man von ihm erwartet. Also ganz ehrlich, er bringt in 2022 immer noch den „Daytona/Range Rover“-Reim (Kosher Money Gang) oder den most overused Reim im Amirap „Doublecup/Bubblebutt“ (Mama Mazel Tov). Das ist doch an Lächerlichkeit nicht zu übertreffen. Zusätzlich wirken einige Wortspiele bzw. Vergleiche wie schlechte Kopien von alten Kollegahlines.

Sun Diego ist offensichtlich ein großer Fan von amerikanischen Rap und der englischen Sprache. Das erkennt man an den vielen Anglizismen in seinen Texten, für meinen Geschmack etwas zu viele. Es wirkt so, als ob ihm die deutschen Reime ausgehen, aber das ist wahrscheinlich übertrieben meinerseits. Jedenfalls lässt Sun Diego es sich nicht entgehen, den ein oder anderen amerikanischen Song zu kopieren. Die Rede ist natürlich von Ehrenmann, auf dem die Hook von G-Eazy’s No Limit „inspiriert“ wurde. Ich halte von solchen Übersetzungen oder „Hommagen“ grundsätzlich wenig. Wo ist der Unterschied zwischen No-Name-Rappern, die Amirap-Songs klauen und einem Sun Diego, der das gleiche tut?
Nachdem die ersten paar Songs ziemlich motiviert klingen, lässt dies im Laufe des Albums ebenfalls nach. Natürlich gehört es zu Sun Diego’s Flow, etwas gelangweilt oder „abgehoben“ zu klingen (ähnlich wie bei Shindy), aber ich wünsche mir einfach ein bisschen mehr Leidenschaft in Songs. Blood, Sweat & Tears ist ein gutes Beispiel dafür; ein unfassbar langweiliger Track, den man aufgrund des monotonen Flows einfach vergessen kann.

Weiterhin bringt Sun Diego vor allem in der zweiten Hälfte des Albums viel musikalischere Songs. Angefangen mit Eloah, ein Song, der schon in 2018 released wurde und es trotzdem vier Jahre später irgendwie auf das Album geschafft hat. Ich bin ganz ehrlich, ich hatte in den letzten Tagen mehrmals einen Ohrwurm und das schafft Sun Diego einige Male auf dem Album. Overall ist Eloah aber nicht mehr als ein billiger Partysong. In die gleiche Kategorie würde ich Texas Tea einordnen. Oh weia, was für ein unglaublich schlechter Track mit einem der billigsten Partybeats, den ich je gehört habe. Tony Montana ist fast genauso peinlich. Dieses Scarface-Pacino-Gelaber ist sooo ausgelutscht, wie kann Sun Diego das immer noch bringen? Dazu noch eine „Tony Montanananana“ Hook. HILFE! Der Beat carried den Song aber einigermaßen.
An manchen Stellen hat das Album echt Potenzial. Flieg (Uletaj) Mit Mama ist durchaus ein berührender Song, auf dem Sun Diego über seine verstorbene Großmutter rappt. Mit der gesungenen Hook echt solide. Und auch Happy Hanukkah hat im Grunde eine gute Idee: Sun Diego erzählt von seiner schwierigen Kindheit/Jugend und Armut. Hätte ein Track werden können, den man ernst nehmen kann, aber die musikalische Umsetzung ist viel zu nervig.

Wenn ihr denkt, dass es nach den eben genannten Songs gar nicht softer werden kann, dann liegt ihr falsch! Ha-Satan ist nicht mehr, als ein minderwertiger Sing-Sang-Track. Der schlimmste Song dieses Albums, und das ist keine Übertreibung, ist mit ABSTAND Squid Game. Man kann von Lovesongs ja halten was man will, aber das ist wirklich einfach nur schlecht. Klavierbeat zum Einschlafen, Sun Diego mit dem Null-Motivations-Flow und eine Hook mit dem sinnlosesten Vergleich aller Zeiten, nur damit man den Song Squid Game nennen kann. Weder der obligatorische Song für das eigene Kind Teammate, noch das Outro Mama Mazel Tov ist in irgendeiner Weise herausragend und so endet das Album.

Es klingt vielleicht hart, aber meiner Meinung nach ist Sun Diego der überbewertetste Rapper Deutschlands. Es ist unglaublich, wie viele Leute denken, dass er qualitativ hochwertige Musik macht und die „Rettung Deutschraps“ ist. Er ist sicherlich ein guter Doubletimer und schafft es hin und wieder mal, einen guten Text zu schreiben, aber das war’s auch! Seine Autotunesongs sind nicht gut! An dieser Stelle würde ich gerne den Song Ultraviolett von LGoony aus dem Jahre 2015(!) zitieren und mit der Tracklist von Yellow Bar Mitzvah vergleichen:

„Dein angeblich so tolles Album
Klingt für mich fast wie eine Checklist
Ein Track für den Club (Eloah, Texas Tea)
Ein Track für die Girls (Squid Game)
Ein Track für die Jungs (Schwarz Rot Gold)
Ein Track an die Hater (Falsche Fuffis)
Ein Track über Jugend (Happy Hanukkah)
Ein Track über Kush (Mama Mazel Tov)
Doch damit ist Schluss“

Peinlich, peinlich. Yellow Bar Mitzvah ist ein Album voller Langeweile und qualitativ minderwertigen Tracks für zwölfjährige. Echt schade, wie Sun Diego’s Musik sich gewandelt hat. Der Junge hat echt Potenzial, was man an seinen Doubletimeparts und älteren Tracks hört.

Ich gebe Yellow Bar Mitzvah von Sun Diego 4/10 Punkten.

In Die große wehlingrap-Playlist kommt Schwarz Rot Gold.

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